Montag, 19. Januar 2009: The Attack Of The Evil Salamisandwich

Was gibt es schöneres, als die eigene Unzulänglichkeit in schöner Regelmäßigkeit, Stereo und Farbe um die Ohren und Augen geschmiert zu bekommen? Offensichtlich nicht viel, denn aus welchem sonstigen Grund läuft auf Kabel 1 am Nachmittag noch immer die x-te Wiederholung der schmierigen Schleim-Serie „Die Bill Cosby Show"? Hier wird dem staunenden Volk seit Jahren unerlässlich vorgeführt, wie das Leben zu sein hat: Leistungsorientiert, gesund und vernünftig. Wer kennt zum Beispiel die Folge, in der Theo (oder war es Haarspray-Queen Vanessa?) eine glatte 4 in Erdkunde nach Hause bringt? Das gesamte Haus gerät in Aufregung (wie viele Menschen da wohnen, wissen wahrscheinlich nicht mal die Produzenten genau), der Delinquent wird behandelt als hätte er die Beulenpest und mit Abendbrot ist ´s schon mal gar nichts. Da darf man sich die Frage stellen, was Herr Embryo-Quetscher und Frau Jura-Klugscheißer wohl getan hätten, wenn man ihnen feist grinsend die höchst selbst verdiente dritte Mathe-Sechs in Folge unter die runkelrübenartigen Nasen gehalten hätte. Wahrscheinlich wären beide Erziehungsberechtigte auf der Stelle explodiert und Rudy hätte mit ihren untertellergroßen Augen die Wände des nächstgelegenen Waisenhauses mustern können. Andererseits kann man mit einer Vier auf dem Zeugnis natürlich keinen hochdotierten Job ergattern, der es einem erlaubt, den halben Tag auf der Couch zu sitzen, altkluge Sprüche im Minutentakt durch die Luft zu blasen und dabei zu glotzen, als würde da nicht ein Teenager mit Schulproblemen sondern ein sprechender Dackel im rosa Abendkleid und ´nem fetten Joint in der Fresse vor einem im geschmacklos eingerichteten Wohnzimmer stehen.
Ein weiterer Klassiker ist jene Episode, in der die schon angesprochene Rudy von ihrer Lehrerin gezwungen wird, mit einem Klassenkameraden, der im übrigen ein hervorragender Tänzer ist, eine Steppnummer für ein Schulfest einzuproben. Rudy droht am Perfektionismus ihres Kollegen zu scheitern, wird von ihren Erzeugern aber gottlob vollends unterstützt, in dem sie ihr im Rahmen einer Strafaktion so viele Tanzstunden aufdrücken, bis die gottverdammte Nummer sitzt. Am Ende steht, wie könnte es anders sein, ein perfektes Tänzchen unter dem rauschenden Applaus der Familie. Da freut sich der Kinderpsychologe.
So ganz nebenbei werden ungefragt noch die vermeintlichen Probleme der gesamten Nachbarschaft, ja der gesamten Menschheit im Handstreich und ohne vorhergehende Nachfrage gelöst. Im Großen und Ganzen sehr löblich, aber leider legen die Cosbys bei dieser Tätigkeit eine Unfehlbarkeit an den Tag, dass selbst der Papst (wenn es denn noch ginge) ehrfurchtsvoll die Schwelle dieser perfekt gedrillten Familie küssen würde. Bei Licht betrachtet hätte diese Ansammlung von Perfektionismus in der realen Nachbarschaft wohl nichts zu lachen, denn wer möchte beim gepflegten Grillfest schon ein Vortrag über die Gefahren des Teufels Cholesterin hören? Womit wir schon beim nächsten Lieblingsthema der Cosbys wären: Die vernünftige Ernährung. Während Theo auch mit Mitte Zwanzig noch immer zufrieden an seinem Traubensaft aus der Plastikflasche nuckelt und topfit durch die Gegend eiert, setzt der Herr des Hauses langsam aber sicher etwas Fett an. Claire kann so etwas natürlich nicht einfach so durchgehen lassen und drangsaliert den Halbtagsdoktor aus diesem Grund am laufenden Band. Dabei wird aus einem einfachen Salami-Sandwich eine lebensbedrohende Waffe und einer Tüte Popcorn wird die Wirkung eines halben Kilos Heroin auf Toast zugebilligt. Bekommt die unsympathische Halbglatze dann doch mal die Gelegenheit, sich ein profanes Weißbrot mit totem Schwein zuzubereiten, wird aus dieser eigentlich alltäglichen Handlung ein Staatsakt gemacht, der nur noch mit der Wahl von Kalle „Lachgranate" Pohl zum Spieler des Jahres in der NBA zu vergleichen wäre. Aber gottlob kommt, meist noch in letzter Sekunde, die gute Claire um die Ecke gebogen und führt den Sünder auf den Pfad der Tugend zurück. Puh, noch mal Glück gehabt. Soeben der Hölle des gemeingefährlichen Brotbelages entronnen und geradewegs auf dem Weg in die absolute Glückseligkeit. Denn nur die Vernunft führt in den Himmel. Wer sich jetzt die Frage stellt, warum die drolligen Schokoküsse auf zwei Beinen noch nicht, von Engelsflügeln getragen, durch die heimeligen Räumlichkeiten ihrer New Yorker Absteige schweben und ob es anatomisch korrekt ist, wenn die Augäpfel eines kleinen Mädchens den doppelten Durchmesser ihres Kopfes haben, dann blättern Sie im Lexikon, rufen Sie Bekannte an oder lesen Sie in den Sternen, aber lassen sie um Himmels willen die Finger von der Fernbedienung. Ist auch besser für´s Cholesterin.

 

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