Mittwoch, 17. September 2008: SABRAEL & meine Beerdigung

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Zwei Kommentare von SABRAEL.
Who`s that? Ich wünschte ich wüßte es..
Und eigentlich will ich nicht bleiben wie ich bin sondern in einen glücklicheren oder wenigstens zufriedeneren Zustand wechseln..
Schon war ich wieder deprimiert und hätte beinahe seinen Haushaltstip probiert. Was mich auf folgendes brachte:

Wenn ich sterbe, möchte ich, daß meine Beerdigung eine ernsthaft Angst einflößende Angelegenheit wird. Denn das ist es doch schließlich, worum es bei einer Beerdigung geht, oder? Wo ist das Grauen geblieben? Das Folgende ist ein rechtlich bindendes Dokument. Im Falle meines Todes möchte ich, dass alles genau so abläuft, wie unten beschrieben. Kein Lachen. Keine Feier. Nur Angst und Schreie. Meine Anweisungen:

Das Begräbnis soll nachts um 11 Uhr in einem alten, heruntergewirtschafteten, vorzugsweise nur schwach beleuchteten und schwer zu findenden Beerdigungsinstitut beginnen. Sich im Dunklen zu verirren, das ist doch ein guter Start in eine furchterregende Nacht. Das Bestattungshaus sollte kalt und staubig sein, als einzige Lichtquelle sollen von Spinnenweben umhüllte Kandelaber dienen. Was die Musik angeht: Da denke ich an eine laute Orgel, auf der dieses eine dramatische Stück gespielt wird, das so nach Spukschloss klingt. Ihr wisst schon Bescheid. Noch mal, es soll laut gespielt werden. Wir werden einen Zeremonienmeister brauchen, der den Ablauf des Abends dirigiert, vorzugsweise einen knochigen alten Mann mit eingesunkenen Augen. Er soll einen altmodischen Anzug mit einer schwarzen Nelke im Knopfloch tragen. Mit einer Laterne in der Hand wird er die Gäste an der Tür empfangen. Langsam, mit hohler Stimme soll er sie mit den folgenden Worten begrüßen: „Willkommen. Treten Sie ein, den Leichnam zu betrachten.”

Wenn sich alle gesetzt haben, soll der Gastgeber die knarrenden Türen schließen, und sich mühsam zum Podium im vorderen Teil des Raumes schleppen. Auf jedem Sitz wird ein dickes Programmheft liegen, die Worte allerdings werden in einer nicht zu entziffernden, vage mittelalterlich aussehenden Kalligrafie gedruckt sein. Genau vor dem Podium wird mein Sarg aufgebahrt sein. Ich dachte da an eine Kiste aus Pinienholz, allerdings nicht rechteckig, sondern in etwa so geformt wie der Umriss eines Körpers. Hinter dem Podium an der Stirnseite des Raums soll ein Portrait von mir aufgestellt werden, das mich in einer ernsten, würdevollen Pose darstellt. Wenn der Zeremonienmeister nun zu sprechen beginnt, werden wir ein paar Special Effects brauchen. Erst Donner und Blitze, dann gehen alle Lichter aus. Anschließend Sound Effects: ein gellender Schrei. Wenn die Blitze ihr Licht auf mein Portrait werfen, soll man darauf nicht mehr mich erkennen, sondern ein Skelett, dem—wie der Medusa—Schlangen aus dem Schädel wachsen. Sobald es aufhört zu blitzen, sollte dort, so als wäre nichts gewesen, wieder mein normales Portrait stehen. Wie cool wäre das denn? Zu diesem Zeitpunkt kommt der Fahrer des Leichenwagens mit einem Zylinderhut herein, um zu verkünden, dass es Zeit sei, zum Friedhof zu gehen. Dabei soll er die folgenden Worte benutzen: „Es ist nun an der Zeit, zum Totenacker zu schreiten. Folgen Sie mir.” Als Sargträger engagieren wir ein paar finster aussehende alte Männer. Sie schleppen meinen Sarg zum Leichenwagen, der vorzugsweise eine riesige schwarze Karre aus den 70ern sein soll. Das Lied für diesen Teil soll diese alte Begräbnis-Nummer sein, die in Zeichentrickfilmen immer bei besonders verhängnisvollen Situationen gespielt wird. Ihr wisst schon: „dum dum ta dum”, usw... Ich wünsche mir, dass die Prozession zum Friedhof langsam vonstatten geht, und ermutige die Teilnehmer, möglicherweise den Wegesrand säumende Schaulustige durch anhaltendes, unheimliches Anstarren in Angst und Schrecken zu versetzen.

Meine Grabstelle wird schon bereitet sein. Mein Grabstein soll ein dünnes verwittertes Etwas sein, das im schiefen Winkel aus der Erde ragt. Unweit soll ein buckliger Totengräber herumlungern. Mit Seilen senken die Sargträger den Sarg nun in das Grab hinab, lassen ihn aber mit einer solchen Wucht fallen, dass der Deckel aufbricht. Erst jetzt sieht man, dass der Sarg in Wirklichkeit leer ist. Der Zeremonienmeister schreit auf: „Wo ist der Leichnam?”, was als Stichwort für den letzten Sound Effect dient: ein weiterer schreckenerregender Schrei. Darauf folgt die feierliche „Freilassung der Fledermäuse”, in deren Verlauf 13 Fledermäuse aus einer Schachtel in den Nachthimmel entlassen werden.

Damit endet meine Beisetzung. Auf diese Weise können sich die Gäste mit einigen Fragen auf den Heimweg machen. „Wer war dieser düstere Gastgeber? Warum wurden keine kleinen Anekdoten über ihn ausgetauscht? Was stand da in unseren Programmheften? Wo ist denn jetzt seine Leiche? Wer hat das hier eigentlich alles bezahlt?”.


Eintrag von Sabrael, 3:00h später

:-))))))))))))))))))))))

Genau DAS meinte ich mit: "Bleib so, wie du bist!"

 

Eintrag von Admin, 3:07h später

..und immer noch wüßt ich gerne wer Du bist.. (grins)

 

Eintrag von Sabrael, 11:13h später

Und als sich der bleiche Vollmond zum dreizehnten Mal über dem Kirchhof zeigt...

Der Totentanz (Goethe)

Der Türmer, der schaut zu Mitten der Nacht
Hinab auf die Gräber in Lage;
Der Mond, der hat alles ins Helle gebracht,
Der Kirchhof, er liegt wie am Tage.
Da regt sich ein Grab und ein anderes dann:
Sie kommen hervor, ein Weib da, ein Mann
In weißen und schleppenden Hemden.
Das reckt nun, es will sich ergetzen sogleich,
Die Knöchel zur Runde, zum Kranze,
So arm und so jung und so alt und so reich;
Doch hindern die Schleppen am Tanze:
Und weil hier die Scham nun nicht weiter gebeut,
So schütteln sich alle, da liegen zerstreut
Die Hemdelein über den Hügeln.
Nun hebt sich der Schenkel, nun wackelt das Bein,
Gebärden da gibt es vertrackte;
dann klippert's und klappert's mitunter hinein,
als schlüg' man die Hölzlein zum Takte.
Das kommt nun dem Türmer so lächerlich vor;
da raunt ihm der Schalk, der Versucher, ins Ohr:
Geh! hole dir einen der Laken!
Getan, wie gedacht! und er flüchtet sich schnell
nun hinter geheiligte Türen.
Der Mond und noch immer er scheinet so hell
zum Tanz, den sie schauderlich führen.
Doch endlich verlieret sich dieser und der,
schleicht eins nach dem andern gekleidet einher,
und husch! ist es unter dem Rasen.
Nur Einer, der trippelt und stolpert zuletzt
und tappet und grabst nach den Grüften;
doch hat kein Geselle so schwer ihn verletzt;
er wittert das Tuch in den Lüften.
Er rüttelt die Turmtür, sie schlägt ihn zurück,
geziert und gesegnet, dem Türmer zum Glück,
sie blinkt von metallenen Kreuzen.
Das Hemd muß er haben, da rastet er nicht,
da gilt auch kein langes Besinnen,
den gotischen Zierrat ergreift nun der Wicht
und klettert von Zinne zu Zinnen.
Nun ist's um den Armen, den Türmer, getan,
es ruckt sich von Schnörkel zu Schnörkel hinan,
langbeinigen Spinnen vergleichbar.
Der Türmer erbleicht, der Türmer erbebt,
Gern gäb' er ihn wieder, den Laken.
Da häckelt jetzt hat er am längsten gelebt
Den Zipfel ein eiserner Zacken.
Schon trübet der Mond sich verschwindenden Scheins,
Die Glocke, sie donnert ein mächtiges Eins,
Und unten zerschellt das Gerippe.

 

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